Die Wiederentdeckung der Langsamkeit


Ein Ton erklingt – sanft wie das Rauschen des Abendwindes in den Gräsern am Wegesrand, ein zweiter Ton kommt hinzu, ein dritter, vierter – leicht und perlend wie die Rufe der Möwen beim Flug übers Meer. Eine Melodie nimmt Gestalt an – frisch und jung wie das Gesicht eines neugeborenen Kindes, zugleich weise und erfahren wie das zerfurchte Antlitz eines alten Bauern. Die Musik des Pianisten Wolfgang Torkler trägt all diese Bilder in sich – der Fotograf Matthias Schumann hat sie sichtbar gemacht. „Jazz für die Augen“ nennen die beiden diesen Dialog zwischen Klang- und Bildwelten, der eine neue, dritte Dimension eröffnet.

Entstanden ist das Projekt aus der gemeinsamen Vorliebe der beiden Künstler für Klang-Bild-Erfahrungen in Slowmotion. Zentrales Anliegen dieses Gesprächs ohne Worte ist das Thema der Entschleunigung.

Die musikalische Grundlage der Improvisationen am Flügel bilden Kompositionen von Wolfgang Torkler. Matthias Schumann greift diese spezifische musikalische Stimmung auf und lässt sie in seine Bildkomposition einfließen. Von diesem Reigen der auf eine Leinwand projizierten Fotografien lässt sich wiederum die Musik inspirieren. So entstehen Klang- und Sehlandschaften, welche sowohl aufeinander als auch auf den Zuhörer wirken, sich und ihn beeinflussen, miteinander spielen. Fotografischer Raum wird Klang, Klänge verwandeln sich in visuelle Bildlandschaften. Ziel der performativen Verlangsamung der Ton- und Bilderflut ist die Vertiefung der audiovisuellen Wahrnehmung – eine Reise in die Assoziationswelt von Zwischentönen und Zwischenbildern.